Das auch deutsche Unternehmen moderne cloud-basierte Software entwickeln können, beweist die Berliner Firma microTOOL. Ihre Requirements Engineering und Application Lifecycle Management Lösung objectiF RPM orientiert sich an den Aufgaben, Bedarfen und Herausforderungen von Anforderungsingenieuren. Abgedeckt wird sowohl ein klassisches als auch agiles Vorgehen. Was das Web-Werkzeug leistet und wo Optimierungspotential besteht, diskutieren wir diese Woche in unserem mosaiic Impuls.

Requirements Engineering mit objectiF RPM

Seit 2013 ist das Requirements Engineering Tool objectiF RPM des Herstellers microTOOL am Markt. Als Tor zu der von uns betrachteten Softwareversion 4.1 fungiert entweder ein lokal installierter Desktop Client oder ein Web-Browser. Entweder Sie installieren den objectiF-Kern auf eigenen Windows-Maschinen (Applikationsserver mindestens 2008 und SQL-Datenbank) oder Sie spielen ein Amazon Machine Image auf eine Amazon Web Services EC2 Umgebung. Im ersten Fall finanzieren und betreiben Sie die Infrastruktur, im zweiten Fall gehen Sie zusätzlich mit Amazon einen Plattform-as-a-Service Vertrag ein.

Gegen Abgabe Ihrer Kontaktdaten steht eine 6-Monate Testinstanz bereit. Nach Ablauf des Probezeitraums richten sich die Lizenzkosten nach Anzahl der gleichzeitig auf der Software arbeitenden Personen (Concurrent User-Modell). microTOOL unterteilt dabei zwischen einer Server-Lizenz und Client-Lizenzen. Je mehr Nutzer, desto umfassender und teurer fällt die Server-Lizenz aus.

Beim ersten flüchtigen Blick auf die Webseite von microTOOL sind wir etwas verwirrt. Worin besteht der Unterschied zwischen objectiF RPM und seinem Schwesterprodukt objectiF RM? Beide Tools unterstützen Sie bei der Erhebung, Dokumentation, Prüfung, Abstimmung und Verwaltung von Anforderungen. Erst nachdem wir den Hersteller befragt haben und tiefer in die Begleitdokumentation eingetaucht sind lernen wir: objectiF RM dient ausschließlich dem Requirements Engineering, objectiF RPM zusätzlich dem Application Lifecycle Management. Offen bleibt jedoch: warum deckt objectiF RPM nicht ebenfalls die zeitlich viel längere Betriebsphase ab?

microTOOL selbst blickt auf über drei Jahrzehnte Markterfahrung zurück. Laut Herstellerangaben nutzen 21 bis 50 Unternehmen die Software objectiF. Neben einer Projektmanagement- und Case Software bieten die Berliner ebenfalls Trainingsseminare in den Feldern Business Analysis und Certified Professional for Requirements Engineering an.

Abbildung 1 - Zieldiagramm und Stakeholder mit objectIF_RPM

Abbildung 1 – Zieldiagramm und Stakeholder mit objectIF RPM

 

Abbildung 2 - Anforderungen strukturiert dokumentieren

Abbildung 2 – Anforderungen strukturiert dokumentieren

 

Abbildung 3 - Sprintplanning mit mehreren agilen Teams

Abbildung 3 – Sprintplanning mit mehreren agilen Teams

 

Abbildung 5 - Gantt Chart zum Projektmanagement

Abbildung 4 – Gantt Chart zum Projektmanagement

 

Abbildung 6 - Frei konfigurierbares Projektdashboard

Abbildung 5 – Frei konfigurierbares Projektdashboard

Pros

  • objectiF RPM bedient sich intuitiv: Die graphische Benutzeroberfläche der RE-Software macht auf uns einen frischen Eindruck. Alles hat seinen Platz. Per Drag-und-Drop ziehen Sie die verschiedenen Artefakte wie Ziele, Anforderungen und Stakeholder einfach in das Modell.
  • objectiF RPM unterstützt agile und klassische Projektansätze: Egal ob Sie in Ihren Vorhaben traditionell per Wasserfall-Modell oder auf Basis von SCRUM Sprints vorgehen: das Tool bietet für beide Projektansätze jede Menge vorgefertigte Vorlagen und Funktionen. Auf Wunsch können Sie diese Artefakte erweitern.
  • objectiF RPM koordinierte die Arbeit paralleler Projektteams: Das Werkzeug der Berliner Softwareschmiede lässt sich in Projektprogrammen einsetzen. In SCRUM erhält beispielsweise jedes Team sein eigenes Sprint Backlog.
  • objectiF RPM punktet bei der modellbasierten Dokumentation: Neben der reinen textuellen Erfassung von Requirements, bietet das Web-Tool zahlreiche Diagrammtypen zur Anforderungsdokumentation. Zum Zeitpunkt unserer Analyse werden die Unified Modeling Language (z.B. Klassendiagramm, Use Case Diagramm, Aktivitätsdiagramm), die Systems Modeling Language und weitere Diagrammtypen (z.B. Zielediagramme, Conceptual Domain Models) unterstützt.
  • objectiF RPM integriert sich: Die Software importiert und exportiert nach Microsoft Excel sowie in das Requirements Interchange Format. Auch individualisierte Extrakte nach Word unterstützt das Tool. Alle aufgenommenen Daten werden nicht automatisch validiert, auf Wunsch können Sie diese beim Import jedoch anpassen.
  • objectiF RPM schafft Transparenz über Arbeitsinhalte und -organisation: objectiF RPM hilft sowohl Projektmanagern als auch Requirements Engineers einen Überblick über ihr Tun zu behalten. Gantt-Charts, Netzpläne, Sprint Backlogs und ein konfigurierbares Reporting Dashboard sorgen für den Überblick.
  • objectiF RPM versioniert und verfolgt: Zwei wichtigen Facetten im Requirements Engineering – die Nachverfolgbarkeit von Anforderung von der Quelle bis zum Testfall – sowie die Versionierung von Anforderungsständen – inklusive Release Planung, Vergleich und Wiederherstellung – werden unterstützt.
  • objectiF RPM liefert nützliches Wissen: Nicht das Werkzeug, sondern die microTOOL Webseite enthält substantielle Informationen rund um die Themen Requirements Engineering und Projektmanagement. Natürlich führen viele der Wissensartefakte zu objectiF bzw. erklären die Tool-Funktionen, falls Sie die entsprechenden Lizenzen bereits erworben haben.

Cons

  • objectiF prüft nicht: Zum Zeitpunkt der Analyse überprüft objectiF die erfassten textuellen Anforderungen nicht. Für die korrekte Rechtschreibung und Orthographie sowie die Konsistenz von Artefakten müssen Sie selbst sorgen.
  • objectiF verschlüsselt nicht: Weder verschlüsselt das Tool die gesendeten bzw. empfangenen Daten zum Applikationsserver, noch werden die in der Datenbank persistierten Anforderungsdetails chiffriert.
  • objectiF nur auf Unternehmens- oder Amazon-Hardware: Entweder Sie installieren die Software auf eigener Windows-Infrastruktur, oder Sie nehmen die Dienste des Amazon Web Services mit seinen verschiedenen Regionen und Verfügbarkeitszonen in Anspruch. Nicht jedes Unternehmen besitzt eigene Server bzw. möchte den US-Amerikanern die internen Anforderungsdaten überlassen.

Methode

Die Grundlage unserer Tool-Untersuchung bildet ein strukturierter Analysebogen. Auf Basis von 68 Fragen aus 6 verschiedenen Kategorien evaluierten wir im persönlichen Dialog mit dem Tool-Hersteller die Fähigkeiten und Eigenschaften seiner Requirements Engineering Software. Zudem sichteten wir weiteres verfügbares Begleitmaterial wie Softwaredokumentationen, Online Videos  und Hersteller-Webinare.

Neben generellen Werkzeug- und Betriebsaspekten wie Schnittstellen, Softwarearchitektur und Lizenzierung untersuchten wir spezifische Aufgaben und Bedarfe aus der Disziplin des Anforderungsmanagements. Den fachlichen Rahmen spannte dabei das International Requirements Engineering Board mit seiner umfassenden Dokumentation auf.

Fazit

objectiF RPM ist ein vollgepackter Werkzeugkasten für Requirement Engineers. Unterstützt werden sowohl klassische als auch agile Projektmanagementansätze beim Erfassen, Festhalten und Managen von Anforderungen. Ein großer Pluspunkt liegt in der Integration von natürlichsprachiger und modellbasierter Dokumentation. Aus unserer Sicht ebenfalls erstklassig ist die umfassende Unterstützung von SCRUM sowie die zeitgemäße web-basierte Nutzung. Verbesserungen sehen wir hingegen in den Punkten Verschlüsselung und Infrastrukturbetrieb.

// Analyse: Tobias Smuda, Text: Dr. Christopher Schulz

Sie planen Requirements Engineering mit objectiF RPM umzusetzen? Informieren Sie sich detailliert über die Vor- und Nachteile dieser Softwarelösung. Laden Sie sich dazu das 12-seitige Fact Sheet herunter.