Modellieren gehört zum Requirements Engineering wie der Tannenbaum zum Weihnachtsfest. Ein Modellierungsprofi ist der Enterprise Architect des australischen Softwarehauses Sparx Systems Pty Ltd. Wir haben uns den Enterprise Architect und seine Online Ergänzung WebEA genauer angesehen. Im mosaiic Impuls fassen wir zusammen, wann sich die genauere Betrachtung der Tool-Kombination für Sie lohnt.

Requirements Engineering mit Enterprise Architect

Unter den bisher untersuchten Requirements Engineering Tools ist der Enterprise Architect (EA) ein Urgestein. Bereits 1999 lancierte die australische Softwareschmiede Sparx Systems unter dem Gründer Geoffrey Sparks die erste Fassung der Software. Zu Beginn fokussierte sich der EA ganz auf die Modellierung von Unified Modeling Language (UML) Diagramme. Stand Dezember 2017 deckt die aktuelle Version 13.5 das weite Feld des Business-, Software- und Systems Engineering umfassend ab (siehe Versionshistorie). Projektmanagement, Reverse Engineering, debuggen, kompilieren und visualisieren von Quellcode? Für den EA laut Herstellerangaben kein Problem.

Der Enterprise Architect ist eine Produktfamilie, erhältlich entweder als Stand Alone Rich Client oder als 2-Tier Architektur (lokaler Client + zentrale Datenbank). Die Kosten für die Softwarelizenz richten sich nach Nutzeranzahl, Funktionsumfang und verfügbare Integrationsschnittstellen und beginnen bei 130 Euro pro Einzelarbeitsplatz. Jede Lizenz kommt mit einem einjährigen Wartungsvertrag, der E-Mail Unterstützung sowie Softwareupdates umfasst. Nach Ablauf des Wartungsvertrags können Sie den EA ohne Funktionseinschränkungen weiterverwenden oder bei Bedarf den Wartungsvertrag jährlich verlängern.

On-Top auf Ihren Enterprise Architect (Version 13 oder höher) können Sie eine WebEA Erweiterung packen. Dabei handelt es sich um einen Applikationsserver über den sie mittels Webbrowser oder Smartphone App auf die EA-Daten zugreifen. Laut Herstellerangaben können Sie den Pro Cloud Server wahlweise on-premise oder in einem externen Rechenzentrum betreiben. Die Lizenzkosten starten bei 3.000$ pro Jahr.

Laut Aussagen von Sparx Systems nutzen weltweit über 580.000 Personen die Software. Für ein Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeiter eine stattliche Zahl, finden wir. Auf Wunsch passt die für Europa verantwortliche Sparx Systems Central Europe das Werkzeug auf Ihre Bedarfe an. So offeriert das Unternehmen maßgeschneiderte Anpassungen für die Code- bzw. Dokumentengenerierung oder Modeltransformationen.

Abbildung 1 - Neuanlage eines Projekts und Auswahl der gewünschten Modelle

Abbildung 1 – Neuanlage eines Projekts und Auswahl der gewünschten Modelle

 

Abbildung 2 - Strukturieren von Anforderungen

Abbildung 2 – Strukturieren von Anforderungen

 

Abbildung 3 - Anforderungen dokumentieren mit Enterprise Architect

Abbildung 3 – Anforderungen dokumentieren mit Enterprise Architect

 

Abbildung 4 - Requirements individuell visualisieren

Abbildung 4 – Requirements individuell visualisieren

 

Abbildung 1 - Oberflaeche von Enterprise Architect

Abbildung 5 – Oberflaeche von Enterprise Architect

Pros

  • Enterprise Architect ist der Modellierungskönig: UML Klassendiagramm, Zachman Framework, Business Process Modeling Notation und vieles mehr. Das Tool hält ein breit gefächertes Spektrum an Modelltypen parat mit dem Sie Ihre (soziotechnischen) Systeme beschreiben können.
  • Enterprise Architect besitzt ein flexibles Varianten- und Lizenzmodell: Ultimate Business & Software Engineering, Systems Engineering, Corporate, Professional sowie Desktop Edition – die vielen Produktvarianten schrecken am Anfang etwas ab. Auf den zweiten Blick erlaubt die Produktfamilie Ihnen das Beste Produkt für Ihre Requirements Engineering Bedarfe auszuwählen.
  • Enterprise Architect bietet vollständige Traceability: Sie haben ein Objekt in einem Aktivitätsdiagramm angelegt, welches Sie in einem Kommunikationsdiagramm aufgreifen wollen? Sie ändern ein Attribut und möchten, dass diese Änderung in allen Diagrammen nachgezogen wird? Kein Problem. Im Werkzeug können Sie die Entitäten einfach verknüpfen und damit die Rückverfolgbarkeit bzw. Konsistenz herstellen.
  • Enterprise Architect integriert sich mit Nachbarsystemen: Ob nun Visual Studio, Eclipse oder Microsoft Office – die Software bietet Import- und Export-Schnittstellen zu vor- und nachgelagerten Systemen Ihrer Applikationslandschaft.
  • Enterprise Architect visualisiert die Modelldaten: Auf Wunsch erlaubt das Tool ihre in den Modellen erfassten Daten in Form von Pie-Charts, Balkendiagramme, etc. darzustellen.

Cons

  • Enterprise Architect unterstützt wenige Requirements Engineering Workflows: Schwerpunkt der Software sind die Ergebnistypens des Anforderungsmanagements, nicht die Unterstützung dessen Abläufe.
  • Enterprise Architect erfordert Einarbeit: Keine Frage: das Sparx Tool ist sehr funktionsmächtig, damit jedoch auch ein Experten-Tool. Sie bzw. Ihre Mitarbeiter sollten über ein Requirements Engineering Fundament verfügen bzw. etwas Zeit für die Einarbeitung in die vielen Freiheitsgrade der Software mitbringen.
  • Enterprise Architect gibt keinen agilen Rahmen: Sie möchten Ihre Projekte agil – beispielsweise nach Scrum – aufstellen und Suchen in der Software Unterstützung mit vorgefertigten Workflows? Beim Enterprise Architect gilt: agile Modelle Ja, Methoden und Vorgehensweisen Nein.

Methode

Die Grundlage unserer Tool-Untersuchung bildet ein strukturierter Analysebogen. Auf Basis von 68 Fragen aus 6 verschiedenen Kategorien evaluierten wir im persönlichen Dialog mit dem Tool-Hersteller die Fähigkeiten und Eigenschaften seiner Requirements Engineering Software. Zudem sichteten wir weiteres verfügbares Begleitmaterial wie Softwaredokumentationen, Online Videos und Hersteller-Webinare.

Neben generellen Werkzeug- und Betriebsaspekten wie Schnittstellen, Softwarearchitektur und Lizenzierung untersuchten wir spezifische Aufgaben und Bedarfe aus der Disziplin des Anforderungsmanagements. Den fachlichen Rahmen spannte dabei das International Requirements Engineering Board mit seiner umfassenden Dokumentation auf.

Fazit

Der Enterprise Architect von Sparx Systems ist ein sehr mächtiges Modellierungs-Tool. Sein Schwerpunkt liegt ganz klar in der modellbasierten Dokumentation von Systemen, angefangen bei Softwarekomponenten bis hin zu ganzen Unternehmen. Falls Sie das Tool für Ihre Requirements Engineering Disziplin nutzen möchten, sollten Sie über das erforderlich Methodenwissen im Anforderungsmanagement verfügen. Dieses stellt ihnen das Experten-Tool leider nur eingeschränkt gekapselt in den Modellen zur Verfügung.

// Analyse: Tobias Smuda, Text: Dr. Christopher Schulz

Sie planen Requirements Engineering mit Enterprise Architect umzusetzen? Informieren Sie sich detailliert über die Vor- und Nachteile dieser Softwarelösung. Laden Sie sich dazu das 12-seitige Fact Sheet herunter.