Nächster Stopp Nexus? – das Nexus™ Framework im Überblick

Bestimmt arbeiten Sie und Ihre Produkt- und Softwareentwicklungsteams bereits nach Scrum. Der agile Ansatz ist für eine Teamstärke von 3-9 Personen gedacht. Doch wie gehen Sie vor, falls es sich um ein richtig großes Projekt handelt? Wenn das Vorhaben räumlich verteilt vorangetrieben wird, die Initiative auf einen mittel- bis langfristigen Zeitraum angelegt ist? Dann müssen Sie skalieren. Doch wie? Das Nexus™ Framework der Erfinder von Scrum könnte Ihnen diese Frage beantworten. Im mosaiic Impuls geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Eckpunkte des Rahmenwerks.

Zweck – Warum ein Nexus™ Framework?

Das Nexus™ Framework ist ein Prozess-Rahmenwerk für 2-9 Scrum Teams, die gemeinsam ein integriertes Produkt bzw. eine integrierte Software erzeugen. Die Hauptziele bestehen in

  • der Minimierung von Abhängigkeiten zwischen den parallel arbeitenden Teams sowie
  • der Reduktion der Integrationsprobleme der erzeugten Teilergebnisse.

Im Gegensatz zu Skalierte Agile Ansätzen wie LeSS oder SAFe gibt sich das Nexus™ Framework minimalistisch. Grundbaustein ist der agile Ansatz Scrum. Dieser wird durch das Rahmenwerk um neue Rollen, Ereignissen, Artefakten und Regeln erweitert, welche die arbeitsteilige Realisierung eines Produktes durch 3 bis 9 Scrum Teams ermöglichen. Dabei sorgt Nexus™ Framework für Transparenz, Orientierung und Koordination.

Übrigens steht der Begriff ‚Nexus‘ (Neutrum) für „Eine Beziehung oder Verbindung zwischen Personen oder Dingen“. Stand April 2018 liegt das Rahmenwerk in der Version 3.0 vor.

Aufbau – Struktur des Nexus™ Rahmenwerks

Das Nexus™ Framework erweitert Scrum um ausgewählte Aspekte. Neben den maximal neun parallel wirkenden Scrum Teams ist ein sogenanntes Nexus Integration Team erforderlich. Dieses besteht aus:

  • Product Owner – alleiniger Verantwortlicher für die Produktentwicklung, d.h. die Fertigstellung eines integrierten Teilelements während der Dauer eines Sprints.
  • Scrum Master – Verantwortlicher für das Verständnis und die Umsetzung des Nexus Rahmenwerks
  • Nexus Integration Teammitglieder – Verantwortlich für einheitliches Verständnis und Einsatz der Praktiken & Werkzeuge in den Scrum Teams

Das Nexus Integration Team coacht, koordiniert und stellt die korrekte Ausführung der parallelen Entwicklungsarbeiten nach Scrum sicher.

Aus Scrum sind Ihnen sicherlich das Konzepte der Backlogs bekannt, geordnete Listen von Produkt- bzw. Softwareanforderungen. Das Nexus™ Framework sieht ein gemeinsames Product Backlog sowie pro Team ein eigenes Sprint Backlog vor. Zusätzlich wartet der Ansatz mit einem zentralen Nexus Sprint Backlog auf. Pro Sprint enthält dieses die ausgewählten Product Backlog-Einträge der Scrum Teams und deren Abhängigkeiten zueinander.

Abbildung Nexus Rahmenwerk für die Skalierung von Scrum (Quelle: www.scrum.org)

Anwendung – Skalierung von LeSS auf die Projektprogrammebene

Das Rahmenwerk hält seine Anwender an, das Wissen und die Arbeit zwischen den Scrum Teams entlang drei Ebenen geschickt und mit Voraussicht zu verteilen:

  • Anforderungen und deren Umsetzung
  • Fach- und IT-Wissen
  • Software- und Testartefakte

Ziel ist die Minimierung von Abhängigkeiten zwischen Ergebnissen und damit Scrum Teams. Zudem fordert das Framework, dass alle Teams ihre Arbeit in einer gemeinsamen Umgebung integrieren.

Zusätzlich zu dem bekannten Daily Scrum und dem Sprint Retrospective, sieht Nexus einen Nexus Daily Scrum und eine Nexus Sprint Retrospective mit ausgewählten Vertretern der Teams vor. Eine Sichtung des Gesamtergebnisses erfolgt Team-übergreifend im Nexus Sprint Review.

Pros & Cons – Die Vor- und Nachteile des Nexus™ Framework

Wenn Sie Scrum bereits praktizieren, sollte Ihnen die Skalierung mittels des Nexus™ Frameworks wenig Kopfzerbrechen bereiten. Im Kern nutzen Sie den bekannten agilen Rahmenansatz, dieser wird durch wenige zusätzliche Meetings, Ergebnistypen und Regeln erweitert. Werfen Sie einen Blick auf den 15-seitigen Nexus Guide (deutsch und ~30 weitere Sprachen, Stand: Anfang 2018). In einer knappen Stunde sind Sie mit den Grundlagen des skalierten Ansatzes vertraut.

Pferdefuß von Nexus™ ist das Limit von maximal 9 Teams. Sind für Ihr Produkt 100 und mehr Personen erforderlich, benötigen Sie Struktur- und Ablaufkonzepte die das Framework nicht bietet. Der Fokus des Rahmenwerks liegt auf dem Integrationsteam und der Scrum-of-Scrum Abwicklung. Nexus™ gibt leider  keine Auskunft darüber, wie die agilen Entwicklungsprozesse mit Disziplinen wie dem Projektportfoliomanagement, IT Betrieb, Strategieprozessen, etc. verzahnt werden können.

Hintergrund – Personen hinter dem Nexus™ Ansatz

Kein geringerer als Ken Schwaber – Urvater von Scrum und Unterzeichner des Agile Manifesto – steht hinter dem Nexus™ Framework. Schwaber gründete die Agile Alliance und die Scrum Alliance, 2009 dann das Unternehmen Scrum.org.

Im Frühling 2018 ist Nexus™ kostenlos und wird in Form des Guides und weiterer weitere Ressourcen angeboten. Wie beim Scrum Rahmenwerk sind die Nexus Rollen, Artefakte, Events und Regeln unveränderlich. Zwar können Sie einen Teil des Frameworks einsetzen, das Ergebnis ist dann jedoch nicht mehr Nexus.

Wie Scaled Agile, Inc. (SAFe) und LeSS Company B.V. (LeSS) finanziert sich Scrum.org durch Trainings und Zertifizierungen. Innerhalb von zwei Tagen können Sie sich zum Scaled Professional Scrum™ (SPS) ausbilden und anschließend prüfen lassen. Stand 04/2018 haben dies weltweit bereits 1.200 Personen getan. Auf englischsprachigen Webseite stehen Ihnen ein Blog, ein Forum, mehrere Webcasts und Videos sowie ein Online Test (Open Assessment) kostenfrei zur Verfügung

Fazit

Fahren Sie Ihre kleinen Projekte bereits nach Scrum und möchten dies auch für ihre mittleren Vorhaben tun, dann sollten Sie einen Blick auf das Nexus™ Framework werfen. Bei wenigen ergänzenden Konzepten erlaubt Ihnen der Ansatz Ihre agilen Praktiken auf direktem Wege zu skalieren. Leider bietet das Rahmenwerk (noch) keine Antworten für große Vorhaben jenseits von 100 Mitarbeitern. Zudem lässt Nexus™ ebenfalls offen, wie Sie den Ansatz in Ihre vorhandene Prozesswelt integrieren.

Nexus™ Sprint Goal? Integrated Increment? Wann verwende ich lieber LeSS oder SAFe? Sie möchten mehr über das Nexus™ Framework und dessen Einsatz in Ihrer Organisation erfahren? Vereinbaren Sie mit unseren Experten Dr. Christopher Schulz einen kostenfreien Diskussionstermin.

// Autor: Dr. Christopher Schulz