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Requirements Engineering mit agosense.fidelia – ein kollaborativer und integrierter ‚Topf‘ für Ihre Business und IT Anforderungen

Requirements Engineering (RE) Werkzeuge müssen nicht unbedingt von großen internationalen Softwarehäusern kommen. Dass es auch kleine aber feine Tool-Lösungen für das Erheben Dokumentieren und Verwalten von Anforderungen gibt, beweist der in Kornwestheim ansässige Mittelständler agosense GmbH. Wir haben das Requirements Engineering Produkt agosense.fidelia unter die Lupe genommen und berichten in diesem mosaiic Impuls, was das Tool in seiner aktuellen Version alles kann.

Requirements Engineering mit agosense.fidelia

Bis vor vier Jahren lag der Schwerpunkt der 2009 gegründeten agosense GmbH auf dem Produkt agosense.symphony, ein Werkzeug zur Integration von Application Lifecycle Management (ALM) Systemen. Unzufrieden mit dem damals am Markt verfügbaren Lösungen entschied das Baden-Württembergische Software- und Systementwicklungshaus, ein eigenes RE Tool zu lancieren. agosense.fidelia war geboren. Dabei leitet sich der Name Fidelia vom Lateinischen ab und bedeutet so viel wie Topf bzw. irdenes Gefäß.

In der von uns begutachteten Version 1.8.10 aus 2018 ist agosense.fidelia (Datenblatt) ein reines webbasiertes Tool. Als Zugriffspunkt auf die deutsche bzw. englische Fassung dient Ihnen ein Internetbrowser. Dedizierte Smartphone Apps oder PC Rich Client Programme gibt es aktuell noch nicht. Betreiben können Sie die 3-tier Weblösung (Browser, Application Server, NoSQL Datenbank Cassandra) in Ihrem Rechenzentrum oder auf der Infrastruktur eines Drittanbieters. Eine Cluster Server Erweiterung aufgrund hoher Arbeits- oder Datenlast bzw. geographisch verteilten Anfragen ist möglich.

Auf den ersten Blick fällt Ihnen sicherlich der Aufbau der Bildschirmmasken auf (siehe Screenshots). Bewusst orientiert sich agosense.fidelia mit seinem Bedienkonzept an Microsoft Word und Excel. Durch die Kombination von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation können die Nutzer Ihre Requirements ohne vorherigem Tool-Training benutzerfreundlich dokumentieren.

Die Lösung strukturiert Ihr RE Projekt in sogenannte Sheets. Als definierbarer RE Artefakttyp enthält ein Sheet eine definierte Menge von textuellen Anforderungen, Modellen oder andere Typen von Artefakten, mit denen Sie Ihr System spezifizieren. Je Sheet existiert eine Base View, die Basislinie. Ändern Sie oder Ihre Kollegen die Anforderungen auf einem Sheet, so entsteht aus diesem eine Tentative View (vorübergehende Sicht) sowie ein Change Set, also eine Änderungsmenge. Zudem erzeugt die Lösung ein Task (Aufgabe), welches mit dem Change Set verknüpft ist. Auf Wunsch können Sie die Change Sets verschiedenen Tasks zuordnen (n:1 Beziehung) sowie die Tasks mit Ihrem Change Request System zwecks koordinierter und arbeitsteiliger Abarbeitung verknüpfen. Die Change Sets bilden ebenfalls die Grundlage für Folgeversionen und Branches (Verzweigungen). Nach einem Review können Sie diese akzeptieren und in Ihre Basislinie einfließen lassen.

Die im RE wichtigen Verfolgbarkeitsbeziehungen zwischen Anforderungen realisiert das Tool auf Basis von Hyperlinks, Tabellen oder textuelle Referenzen. Zudem stellt das Werkzeug sogenannte Trace Columns bereit, eine separate Spalte im Sheet, die Ihnen die Verknüpfung von Anforderungen zu anderen Artefakten aufzeigt. Auf die aus anderen RE-Werkzeugen (z.B. ReqSuite) bekannten Verfolgbarkeitsgraphen oder -matrizen müssen Sie im Release 1.8.10 verzichten. Im Dialog mit dem Hersteller haben wir aogsense.fidelia genauer auf den Zahn gefühlt. Nachfolgend die aus unserer Sicht relevante Stärken und Schwächen.

Pros

  • fidelia versioniert im Detail: Ob Änderungen an den Anforderungen, ihren Eigenschaften und Verknüpfungen – das Tool speichert jede Anpassung ab. Baselining, Branching und Merging von Anforderungssets werden unterstützt.
  • fidelia integriert sich: Das Tool hat viel von seiner Schwester agosense.symphony gelernt. So existieren Schnittstellen zu über 50 verbreiteten ALM-Tools, u.a. zu IBM DOORS, Atlassian JIRA und Sparx Enterprise Architect. Zudem werden gängige Import/Export Formate (PDF, HTML, CSV, etc.) unterstützt.
  • fidelia bedient sich per Webbrowser: Sie greifen das Tool einfach und flexibel per Webbrowser zu. Ein paralleles Arbeiten wird über Benachrichtigungs- und Sperr-Mechanismen auf Einzel-Anforderungsebene gewährleistet.
  • fidelia bietet eine vertraute Oberfläche: Anordnung und Aufbereitung der Inhalte sollte Ihnen von den großen Microsoft Produkten Word und Excel bekannt sein.
  • fidelia unterstützt die Anforderungsprüfung: Die oben vorgestellten Konzepte Base View und Change Sets sowie Anmerkungs- und Kommentarfunktionen ermöglichen Ihnen die strukturierte und arbeitsteilige Validierung ihrer Anforderungen.
  • fidelia legt Wert auf Beziehungswissen: Mittels eines Split Screen Modus und Drag & Drop stellen Sie Verfolgbarkeit – sogenannte Traces – zwischen den Anforderungen, Modellen, User Stories, etc. her. Auch zu mit Schnittstellen verknüpften Nachbarsystemen.
  • fidelia erlaubt die Definition von Anforderungsvorlagen: Sie müssen nicht die Sheet Templates von agosense nutzen. Eigene Schablonen, Strukturen und Vorlagen für Ihre Anforderungen und RE-Prozesse lasse sich ebenfalls konfigurieren und projektübergreifend nutzen.

Cons

  • fidelia kann nicht Modellieren: Anforderungen können Sie ausschließlich textuell definieren. Kleines Trostpflaster: das Tool bietet eine Schnittstelle zum Modellierungsprofi Enterprise Architect von Sparx. Anforderungen lassen sich direkt mit Modellen verknüpfen und synchron halten.
  • fidelia erfordert eine Internetverbindung: Zur Nutzung der Web-Lösung müssen Sie bzw. Ihre Kollegen online sein.
  • fidelia unterstützt keine Erhebungstechniken: Protokollvorlagen? Vorgehensweise beim Shadowing oder Workshops? Leider nein. Das Werkzeug hilft bei der Dokumentation, jedoch nicht bei der Erhebung.

Methode

Die Grundlage unserer Tool-Untersuchung bildet ein strukturierter Analysebogen. Auf Basis von 68 Fragen aus 6 verschiedenen Kategorien evaluierten wir im persönlichen Dialog mit dem Tool-Hersteller die Fähigkeiten und Eigenschaften seiner Requirements Engineering Software. Zudem sichteten wir weiteres verfügbares Begleitmaterial wie Datenblätter,  Video Tutorials sowie Info Webinare und verfolgten eine Tool-Demonstration des Herstellers auf der REConf 2018.

Neben generellen Werkzeug- und Betriebsaspekten wie Schnittstellen, Softwarearchitektur und Lizenzierung untersuchten wir spezifische Aufgaben und Bedarfe aus der Disziplin des Anforderungsmanagements. Den fachlichen Rahmen spannte dabei das International Requirements Engineering Board mit seiner umfassenden Dokumentation auf.

Fazit

agosense.fidelia ist ein kollaboratives RE-Tool Made in Germany. Insbesondere die Integrationsfähigkeit zu anderen Softwarelösungen sowie die Stringenz in der Umsetzung von Baseline, Merge und Branch Konzepten inklusive der Versionierung von Anforderungsänderungen haben uns beeindruckt. Wollen Sie agosense.fidelia testen, so können Sie das Stand Mai 2018 sehr einfach tun. Als Aktion verschenkt der Hersteller drei Nutzungslizenzen der Software, zu installieren auf Ihrer Infrastruktur oder auf den Servern eines Cloud-Anbieters. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite.

// Analyse: Tobias Smuda, Text: Dr. Christopher Schulz

> Requirements Engineering Tool Survey Fact Sheet

Sie planen Requirements Engineering mit agosense.fidelia umzusetzen? Informieren Sie sich detailliert über die Vor- und Nachteile dieser Softwarelösung. Laden Sie sich dazu das 12-seitige Fact Sheet herunter.