Website mosaiic GmbH

Enterprise Architecture Frameworks – Struktur in stürmischen Zeiten

Digitale Unternehmen sind komplex. Immer mehr durchdringen IT-Systeme und Tools die von Abteilungen bzw. Teams umgesetzten Geschäftsprozesse und Projekte. Organisationen arbeiten mit internationalen Partnern zusammen und erreichen ihre Kunden weltweit über online und offline Kanäle. Zu dieser Dynamik gesellen sich neue Wettbewerber, Gesetzesanpassungen und wechselnde Kundenbedürfnisse. Das Unternehmen in der Komplexitätsfalle?

Eine Möglichkeit diese Vielzahl von Elementen und Wechselwirkungen in einem Unternehmen zu strukturieren sind Enterprise Architecture Frameworks. Im mosaiic Impuls erklären wir, was sich hinter dem Konzept verbirgt und zeigen, wie Sie die Rahmenwerke zur Weiterentwicklung Ihrer Organisation nutzen können.

Weg von der Silo-Denkweise – die Strukturierung eines Unternehmens mit einer Enterprise Architecture

Angelehnt an den internationalen Standard ISO/IEC/IEEE 42010 Systems and Software Engineering – Architecture Description ist eine Unternehmensarchitektur (bzw. engl. Enterprise Architecture) ein System. Der Standard definiert eine Systemarchitektur wie folgt (deutsche Übersetzung).

„Die Architektur eines Systems umfasst die Grundkonzepte und Eigenschaften eines Systems in seiner Umwelt, verkörpert durch dessen ElementeRelationen und durch die Prinzipien seines Entwurfs und seiner Evolution.“

Klingt kompliziert? Zugegeben: auch wir finden wir die Definition des ISO/IEC/IEEE 42010 für eine Unternehmens-/Systemarchitektur anspruchsvoll.

Stellen Sie sich eine Enterprise Architecture am besten als sich verändernde Struktur von Elementen, Eigenschaften und Beziehungen vor. Beispielsweise werde Geschäftsprozesse (Element) von IT-Systemen (Element) unterstützt (Beziehung). Je digitaler Ihr Unternehmen, desto umfassender und tiefgreifender diese Unterstützungsbeziehung. Elemente, Eigenschaften und Beziehungen wandeln sich über die Zeit. Neue Kundenbedarfe, angepasste gesetzliche Rahmenbedingungen oder technologische Sprünge führen zur Evolution der Enterprise Architecture.

Mittels Unternehmensarchitekturmanagement (bzw. engl. Enterprise Architecture Management) planen, definieren, kommunizieren und verändern Sie die Struktur Ihres Unternehmens. Sie zeigen Zusammenhänge und Wechselwirkungen einzelner Elemente zueinander auf, machen Eigenschaften für spezifische Zielgruppen transparent und beschreiben die Entwicklung einer Organisation.

Dies tun Sie unternehmensübergreifend. Daher: statt in einzelnen Bereichen (z.B. Vertrieb, Produktion) oder Ebenen (z.B. IT-Systeme, Infrastrukturkomponenten) in Silos zu denken und zu handeln, agieren Sie zwischen den Abteilungen und Hierarchiestufen. Dabei verwenden Sie Modellierungstechniken, Kommunikationsmethoden, Erhebungsmodelle, Governance Ansätze, etc. des Enterprise Architecture Managements.

Bewährte Modelle, Methoden und Konzepte zusammengepackt – Enterprise Architecture Frameworks

Starten Sie gerne auf einem weißen Blatt Papier?

Keiner erfindet gerne das Rad neu. Aus diesem Grund wurde auch im Enterprise Architecture Management bewährte Modelle, Konzepte, Standards, Visualisierungen, Begriffsdefinitionen und Methoden zu sogenannten Rahmenwerken zusammengefasst – den Enterprise Architecture Frameworks. Ein EA Framework, manchmal auch EA Management, EAM Framework oder einfach nur EAF, unterstützt Sie dabei…

  • eine gemeinsame terminologische Basis für die Elemente, Eigenschaften und Beziehungen Ihres Unternehmens zu etablieren und damit babylonische Verhältnisse zu vermeiden.
  • die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens sowohl innerhalb (z.B. Geschäftsprozessen, IT-Systeme) als auch außerhalb (z.B. Kundenkanäle, Wertangebote) des Geschäftsmodells zu vereinfachen und zu beschleunigen.
  • Anforderungen von Stakeholdern wie Kunden, Gesetzesgebern, Partnern, Mitarbeitern, etc. optimal nachzukommen und dabei die Risiken zu minimieren.

Das Enterprise Architecture Framework wirkt dabei in zwei Richtungen: es gibt Ihrem Unternehmen Struktur und liefert methodische Beschreibungen für dessen Änderung.

Untere Abbildung illustriert die Entwicklung einiger bekannten EA Frameworks sowie deren inhaltlichen Zusammenhänge. Der in Deutschland bekanntesten Vertreter sind sicherlich The Open Group Architecture Framework (TOGAF®) sowie das Zachman Framework.

Entwicklung ausgewählter Enterprise Architect Frameworks

Das richtige Enterprise Architecture Framework für den richtigen Zweck

Wie Dirk Matthes in seinem Buch Enterprise Architecture Frameworks Kompendium aufzeigt und die englischsprachige Wikipedia in einem Fachartikel bestätigt, existieren am Markt über 50 Rahmenwerke zu Gestaltung der Unternehmensarchitektur.

Über 50 Enterprise Architecture Frameworks!

Keine Angst. Sie müssen nicht alle Ansätze kennen. Viel interessanter ist eine Systematisierung, beispielsweise nach Organisationstyp oder Disziplin. Dirk Matthes unterteilt in EA Frameworks für:

  • das Informationsmanagement (z.B. ARIS, E2AF, GERAM, TOGAF®, Zachman)
  • Informationssysteme von Regierungen und Behörden (z.B. FEAF, NIST Enterprise Architecture Model, TRAK)
  • militärisch geprägte Organisationen (z.B. DoDAFMoDAF, NAF)
  • Produktionsprozesse (z.B. CIMOSAPERA)
  • technische Lösungen (z.B. CORBA, POSIX OSE Reference Model)
  • Interoperabilität (z.B. C4IF, SAGA, EIF)

Darüber hinaus gibt es sogenannte Add-On Frameworks (z.B. JTA, EAMMF, TRM) also Rahmenwerkergänzungen die bestehende EA Frameworks für bestimmte Domänen, Fragestellungen und Umfeldbedingungen komplettieren.

Svyatoslav Kotusev von The British Computer Society differenziert die Rahmenwerke entlang der Zeitachse. Der Forscher sieht in seinem lesenswerten Beitrag drei Perioden für die Entwicklung von EA Frameworks:

  • Pre-EA Framework Phase in 1960-1970er (z.B. BSP)
  • Frühe EA Framework Phase in 1980-1990er (z.B. PRISM, EAP)
  • Moderne EA Framework Phase ab 2000er (z.B. FEAF, TOGAF)

Schließlich gruppiert Stephen Watts von BMC in seinem Blogbeitrag Enterprise Architecture Frameworks gemäß der Erfinder. So stammen die Rahmenwerke…

  • von Konsortien (z.B. TOGAF® von The Open Group),
  • Regierungen (z.B. DoDAF vom Verteidigungsministerium der USA),
  • privaten Unternehmen (z.B. BSP von IBM) sowie
  • Universitäten (z.B. EAMPC 2.0 von TU München).

Enterprise Architecture Frameworks sind unterschiedlich umfangreich. Wo die Quintessenz des Zachman Frameworks auf eine Präsentationsfolie passt, umfasst die TOGAF® Standard Version 9.2 über 530 Einzelseiten – begleitende Series Guides nicht mitgezählt. Die Ansätze sind frei verfügbar oder kostenpflichtig, sind beliebig adaptierbar oder unterliegen spezifischen Nutzungsbedingungen. Während einige Frameworks sehr theoretischer Natur sind, decken andere einen spezifischen Einsatzbereich ab.

Nutzen Sie deshalb den Ansatz, mit welchen Sie Ihre Geschäfts- und IT-Ziele am effizientesten erreichen können. Das Enterprise Architecture Framework bleibt bei dieser Aufgabe was es ist: ein Framework, also ein Werkzeugkasten, der Sie bei der Zielerreichung unterstützt.

Fazit

Nach einer Hype-Periode Mitte der 2000er Jahre ist es um Enterprise Architecture Frameworks im vergangenen Jahrzehnt etwas ruhiger geworden. Agile Projektmanagement-Ansätze wie Scrum und Kanban, Aufbau- und Ablaufstrukturen wie SAFe oder LeSS sowie Führungsprinzipien wie Holokratie und Leadership stehen aktuell im Mittelpunkt der Diskussionen in Wissenschaft und Praxis.

Und dennoch: Digitale Transformation, Globalisierung und ein Verschwimmen der Branchengrenzen erhöhen die Komplexität von Unternehmen weiter. Der Bedarf nach einem Vorgehen zur geplanten, strukturierten und unternehmensübergreifenden Steuerung und Entwicklung bleibt auch weiterhin bestehen.

Enterprise Architecture Frameworks decken diesen Bedarf, sofern diese ebenfalls mit der Zeit gehen und auf Fragestellungen wie Cloud Computing, Künstliche Intelligenz sowie Mobile Computing innerhalb- und außerhalb der Unternehmensgrenzen eingehen. Rahmenwerke wie TOGAF® und ARIS haben das erkannt und bereits mit Neuauflagen reagiert.

Sie möchten die Möglichkeiten eines Enterprise Architecture Frameworks für Ihr Unternehmen nutzen? Gerne gehen wir dazu mit Ihnen in die Diskussion. Kontaktieren Sie unseren Experten Dr. Christopher Schulz für ein Gespräch.