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Besser SAFe? – die wichtigsten Eckdaten zum Scaled Agile Framework

Mehr und mehr Organisationen wickeln ihre Projekte agil ab. Waren Techniken wie Scrum oder Kanban früher nur in der IT-Abteilung zu finden, so arbeiten heute auch verstärkt die Fachbereiche mit agilen Vorgehensmodellen. Doch wie teilen sich parallel verlaufende agile Projekte die Aufgaben untereinander auf? Wie sollten sie personell aufgestellt sein? Und auf welche Weise erfolgt die Synchronisation? Das Scaled Agile Framework – kurz SAFe – gibt auf diese Fragen eine Antwort. Im mosaiic Impuls fassen wir die wichtigsten Fakten zum Rahmenwerk für Sie zusammen.

Zweck – Warum ein Scaled Agile Framework?

Sicherlich haben Sie bereits von Scrum gehört. Dahinter verbirgt sich ein agiles Vorgehensmodell für das Projekt- und Produktmanagement. Ursprünglich für die Umsetzung von Softwareprojekten entwickelt, hat sich der Ansatz zum De-Facto Standard für agiles Projektmanagement entwickelt. Scrum ist bekannt, gut dokumentiert und erfreut sich international einer wachsenden Beliebtheit. Nur Scrum hat ein Problem. Der Ansatz sagt nichts darüber aus, wie mehrere voneinander abhängige Scrum Projekte parallel vorangetrieben werden sollten.

In diese Lücke springt das Scaled Agile Framework, kurz SAFe. Bei SAFe handelt es sich um ein Rahmenwerk, um die agilen Entwicklungsinitiativen großer Organisationen zu harmonisieren. SAFe poolt Praktiken aus dem Lean und Agile Management, hebt sie von der Projekt- auf die Unternehmensebene. Das Framework fungiert als Wissensbasis für Organisations- und Arbeitsmuster. Es fördert das Abgleichen, die Zusammenarbeit und das Ausliefern von Ergebnissen einer großen Anzahl von parallel arbeitenden agilen Projektteams.

Aufbau – Grundprinzipien und Werte von SAFe

Seit Juni 2017 steht die Version 4.5 von SAFe kostenfrei zur Verfügung. Dem Framework liegen neun lean und agile Prinzipien zu Grunde, welche die Rollen, Aktivitäten und (Zwischen-)Ergebnisse des Ansatzes definieren (siehe auch englischsprachige Webseite):

  1. Eine wirtschaftliche Perspektive einnehmen
  2. Systemisches Denken anwenden
  3. Variabilität annehmen und Optionen vorhalten
  4. Inkrementell mit schnellen integrierten Lernzyklen entwickeln
  5. Meilensteine auf die objektive Bewertung von funktionierenden Systemen basieren
  6. Unfertige Ergebnisse visualisieren und limitieren, Losgrößen reduzieren sowie Warteschlangen managen
  7. Einen kontinuierlichen Rhythmus anwenden, mit der übergreifenden Planung synchronisieren
  8. Die intrinsische Motivation von Wissensarbeitern erschließen
  9. Fällen von Entscheidungen dezentralisieren

Wenn Sie das Agile Manifesto kennen, sollte Ihnen die SAFe Prinzipien 3, 5 und 7 bekannt vorkommen.  Als Werte bzw. Prinzipien sind diese ebenfalls in der populären Schrift aus 2001 enthalten.

Als Kernwerte verschreibt sich SAFe das Abgleichen, die eingebaute Qualität, Transparenz sowie die Programmumsetzung.

Anwendung – Nutzung von SAFe auf den einzelnen Unternehmensebenen

Untere Abbildung illustriert die aktuelle Fassung von SAFe in seiner größten Ausbaustufe. Auf der US-Webseite finden Sie ebenfalls diese zentrale Graphik. Per Mausklick auf die Icons des ‚Big Pictures‘ gelangen Sie an weiterführende Details.

Scaled Agile Framework (SAFe) 4.5

Das Rahmenwerk bietet Ihnen vier Konfigurationen:

  • Essential SAFe – Basiskonfiguration für parallel arbeitende Scrum Teams
  • Portfolio SAFe – zusätzlich zu Essential SAFe mit Strategie-, Investitions-, Governance- und Portfolio Management-Aufgaben.
  • Large Solution SAFe – zusätzlich zu Portfolio SAFe für Unternehmen, die große und komplexe Lösungen entwickeln.
  • Full SAFe – zusätzlich zu Large Solution SAFe für Unternehmen, die große und integrierte Lösungen in Teams von mehreren hunderten Personen entwickeln.

Die Team-Ebene enthält die identischen Rollen wie das Vorgehensmodell Scrum, daher Product Owner, Scrum Master und Entwicklungsteam.  Auf der Program-Ebene agieren zudem die Rollen

  • Product Manager – legt die Prioritäten des Programm Backlog fest und verantwortet die Zusammenarbeit der auf Team-Ebene agierenden Product Owner
  • Sytem Architect – entwickelt die Systemarchitektur im Vorfeld bzw. begleitet diese beim Entstehen.
  • Release Train Engineer (RTE) – als Chief Scrum Master erleichtert er die Zusammenarbeit der Teams und managt das Risiko.
  • Business Owner – verantwortet den Return on Investment und Mehrwert des zu entwickelnden Systems.

Die Large Solution Ebene und Portfolio Ebene sind für große Organisationen bzw. Vorhaben geeignet. In diesem mosaiic Impuls wollen wir die Rollen, Aktivitäten und Ergebnisse auf diesen Ausbaustufen nicht weiter eingehen.

Pros & Cons – Die Vor- und Nachteile von SAFe

Insbesondere großen Organisationen bietet das Scaled Agile Framework einen umfassenden Ordnungsrahmen um ihre agilen Projekte miteinander in Einklang zu bringen. Das Framework ist sehr gut dokumentiert (Videos, Präsentationen, Artikel, etc.), verfügt unter anderem über einen Glossar sowie ein Whitepaper zum Einstieg. Ein weiteres Plus ist die Gemeinschaft die Leffingwell über die Jahre aufgebaut hat. So findet unter anderem Mitte 2018 auch eine Konferenz in Frankfurt am Main statt.

Der große Vorteil von SAFe ist gleichzeitig seine Achillesferse. Aufgrund seines großen Umfangs (Basiskonzepte, Rollenmodelle, Prozessbeschreibungen, Vorlagen, etc.) benötigt die Einarbeitung Zeit. Bei intensiver Arbeit auf Large Solution und Portfolio Ebene werden Sie und Ihre Kollegen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein SAFe Training in Anspruch nehmen müssen. Auf der anderen Seite: wenn Sie Konzepte wie Scrum, Extreme Programming und Kanban kennen, sollte Sie schnell in die Materie starten können. Zumindest uns ging es so. Bleibt das notwendige Anpassen und Veränderungsmanagement aus sowie innerhalb Ihrer Organisation. Im Gegensatz zu kleineren Agilen Frameworks wie LeSS oder Nexus™ ist hier SAFe unserer Meinung nach teilweise etwas zu präskriptiv und inflexibel.

Hintergrund – Personen hinter dem Scaled Agile Framework

Geistiger Urvater von SAFe ist Dean Leffingwell. 2007 publizierte der US-Amerikaner das erste Buch zum Rahmenwerk, entwickelt den Ansatz seitdem stetig weiter. Das frei nutzbare SAFe ist eine eingetragene Marke von Leffingwells Scaled Agile, Inc.. Das Geschäftsmodell des in Boulder/USA ansässigen Unternehmens basiert auf Framework Zertifizierung, Training und Übungsunterlagen (Videokurse, Bücher, etc.). Stand März 2018 können Sie sich in sieben SAFe Disziplinen zertifizieren lassen, angefangen beim SAFe Agilist und Practitioner, über den Program Consultant und Product Manager /Owner bis hin zum Program Consultant Trainer und (Advanced) Scrum Master.

Laut Scaled Agile beschäftigen 70 Prozent der Fortune 100 US-Companies zertifizierte SAFe Praktiker und Berater. Mit den Jahren hat Leffingwell ein Partnernetzwerk von über 140 Organisationen um sich geschart, welche Beratungs- und Umsetzungsdienste anbieten. Mitte Februar haben weltweit über 200.000 Personen an einem SAFe Training teilgenommen (siehe Blogbeitrag).

Fazit

Marketing, Forschung, Produktion, After-Sales – immer mehr Unternehmensbereiche treiben ihre Projekte nach agilen Vorgehensmodellen voran. Und das aus gutem Grund. Ansätze wie Scrum, Kanban und Lean Development sorgen für mehr Kundenzufriedenheit, eine höhere Transparenz und eine kürzere Produkteinführungszeit als klassische Wasserfall-Verfahren – jedoch ausschließlich auf Einzelprojektebene.

Das frei verfügbare Scaled Agile Framework unterstützt Sie bei der Skalierung agiler Praktiken. Das konfigurierbare Rahmenwerk ist sehr gut dokumentiert und gewinnt an Verbreitung. Falls Sie planen Lean und Agile auf Programm- und Portfolioebene Ihres Unternehmens auszurollen, ist SAFe auf jeden Fall einen Blick wert.

Einladung zur Diskussion
Agile Release Trains? Architectural Runway? Spanning Palette? Sie möchten mehr über das Scaled Agile Framework und dessen Einsatz in Ihrer Organisation erfahren? Vereinbaren Sie mit unseren Experten Dr. Christopher Schulz einen kostenfreien Diskussionstermin.